[Philweb] Esoterik in der Aufklaerung

waldemar.hammel Waldemar.Hammel at t-online.de
Tue Feb 28 12:05:19 CET 2006


... oder erweitert (meine ständige Behauptung): "Über das unglaublich häufige 
Irrationale im (vermeintlich) Rationalen"
... oder sinngemäß U.Ecos Formulierung: "Das (magische) Mittelalter liegt noch 
überall in unseren "modernen" Straßen/dem Denken/den Weltbildern."


Wissenschaftliche Tagung, 15.-18.März 2006

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr. Margarete Wein,
28.02.2006 11:29

Esoterik in der Aufklärung: Rezeption - Integration - Konfrontation

Vom 15. bis zum 18. März 2006 findet am Interdisziplinären Zentrum für
die Erforschung der Aufklärung an der MArtin-Luther-Universität in in
Halle (Saale) eine Wissenschaftliche Tagung mit internationaler
Beteiligung zum Thema "Esoterik in der Aufklärung: Rezeption -
Integration - Konfrontation" statt.

Mit diesem Symposium stellt die hallesche DFG-Forschergruppe "Die
Aufklärung im Bezugsfeld neuzeitlicher Esoterik" Zwischenergebnisse,
Thesen und Perspektiven ihrer Projektarbeit vor. Außer den Mitgliedern
der Forschergruppe werden ReferentInnen der Fächer Germanistik,
Geschichte, Philosophie, Theologie und Religionswissenschaft aus
Deutschland, Österreich und den USA sprechen.

Es ist schon seit längerem gut bekannt, dass die Aufklärung mit dem
viel zitierten Bild vom "Zeitalter der Vernunft" nur unzureichend
beschrieben ist. In der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion
zum 18. Jahrhundert ist daher oft vom "Anderen der Vernunft" und vom
"Dunklen in der Aufklärung" die Rede.

Mit der halleschen Tagung wird versucht, das breite Spektrum
abendländischer Glaubens- und Wissenstraditionen im 18. Jahrhundert,
die sich nicht unter dem Label der Vernunft einordnen lassen, im
Sammelbegriff der Esoterik zusammenzufassen und damit ein integratives
Verständnismodell für das Verhältnis von "Vernunft" und anderen Formen
der Welterkenntnis in der Aufklärung bereitzustellen.

Die Frage nach dem Stellenwert esoterischer Tendenzen im 18.
Jahrhundert wird durch die drei ergänzenden Stichworte näher
erschlossen. Der Begriff der Rezeption zielt auf die Beobachtung, dass
die Aufklärung in ihrem Entstehungsprozess um 1700 Ansätze und
Vorstellungsgehalte der älteren Esoterik des 16. und 17. Jahrhunderts
aufnimmt und für die eigenen Erkenntnisziele und Wirkungsabsichten
adaptiert. Umgekehrt werden esoterische Modelle, Denk- und
Glaubensstrategien in der Verlaufsgeschichte der Aufklärung einer
rationalisierenden Kritik unterworfen.

So entstehen verschiedene Formen der Integration von Aufklärung und
Esoterik. Die Wissenschaft hat diese intensive und für die Entwicklung
zur Moderne ungemein folgenreiche Beziehungsgeschichte durch
Wortverbindungen wie 'vernünftige Hermetik' oder 'aufgeklärte
Esoterik' auf den Begriff zu bringen versucht. Diese Ansätze sollen
aufgenommen, aber auch überprüft werden, denn Aufklärung und Esoterik
gehen niemals restlos ineinander auf.

Die Geschichte der Konfrontation zwischen Esoterik und Aufklärung
bleibt daher weiter interessant, auch wenn das Modell der
'Gegenaufklärung' in der Forschung zum 18. Jahrhundert heute eher als
überholt gilt. Die Diskussion darüber, was das 'Dunkle' in der
Aufklärung eigentlich bezeichnet, wo Anziehungs- und wo
Abstoßungstendenzen erkennbar werden, welches Denken 'dunkle
Perzeptionen' unter welchen Bedingungen in ein Erkenntnismodell
integriert und welche Erleuchtungsvorstellungen entwickelt werden, ist
noch lange nicht abgeschlossen und soll in Vorträgen und Diskussionen
fortgeführt werden.

Mit dem Symposium stellt die hallesche DFG-Forschergruppe "Die
Aufklärung im Bezugsfeld neuzeitlicher Esoterik" Zwischenergebnisse,
Thesen und Perspektiven ihrer Projektarbeit vor. Außer den Mitgliedern
der Forschergruppe werden ReferentInnen der Fächer Germanistik,
Geschichte, Philosophie, Theologie und Religionswissenschaft aus
Deutschland, Österreich und den USA sprechen. Das thematische Spektrum
der Vorträge reicht vom Pythagoreismus und der Kabbalarezeption des
17. Jahrhunderts über die Frühaufklärung und den esoterischen
Wolffianismus bis zu den Konzeptionen "christlicher Hermetik" bzw.
eines "wahren Christentums", die ästhetische Dimension der Esoterik
von der Klassik bis zur Romantik und schließlich dem Nachklang der
Problematik in der Esoterik des 19. Jahrhunderts und der
nachkantischen Naturphilosophie.

Detailliertes Tagungsprogramm:
<http://www.izea.uni-halle.de/forschergruppe/tagung2006.htm>

mfG, wh.





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