[Philweb] Sein und Nichts

Arnold Schiller schiller at babsi.de
Fri Oct 11 00:08:58 CEST 2002


Hallo Herr Kuebler,
Joachim Kuebler schrieb:
>
> also das Sein ist? Und das Nichts ist?
>

Name, Bezeichnung, Ausdruck, Sprache, Zeugniss?
Sein, Nichts, Etwas, Alles, Seiendes, Nichtseiendes, Ding?
Beziehung, Verhalten, Funktion, Begriff, Differenz, Unterschied?

Nichts ist der Name für das Sein, wenn kein Unterschied mehr besteht.
Sein ist der Name für das Nichts, wenn kein Unterschied mehr besteht.

Es wird in den beiden Sätzen keine Beziehung gesetzt, die etwas über die 
Existenz von Sein oder Nichts aussagt. Die Sätzen enthalten nur eine 
Bedingung, das die Sache sich wo verhält, wie sich verhält, wenn kein 
Unterschied mehr besteht. Es ist wie bei einer Fläche, die keine Erhebung 
und keine Vertiefung kennt. Wenn zwischen Erhebung und Vertiefung kein 
Unterschied mehr besteht, dann kann ich weder von einer Erhebung oder 
einer Vertiefung spechen. 

Nun so scheint mir die Welt gebaut. Was ich auch immer als Nichts 
bezeichnen mag, wird nur zum Nichts im Verhältniss zum Sein und was ich 
auch immer als Sein oder Seiendes sehen will, wird nur dazu im 
Verhältniss zu dem, was nicht ist.  Das Nichts im Eimer ist nur Nichts im 
Eimer, weil der Eimer ist. Das Loch braucht das Sein um das Loch drum 
herum um Loch sein zu können. 1 - 1 = 0 funktioniert nur, wenn ich das 
Positive und das Negative habe. Und auch die Grenze Neutralität zwischen 
dem Positiven und dem Negativen kann nur existieren, wenn sie eben sich 
von der üositiven wie auch der negativen Position unterscheidet. 

Ohne Unterschied ist weder etwas noch ist nichts und selbst der 
Unterschied ist nicht. In einer hemmungslosen Reduktion bleibt letztlich 
nicht ein mal eine Bezeichnung oder sonst irgendetwas und die Worte 
langen auch nicht aus. 

Wenn aber ein Unterschied besteht, dann ist plötzlich Welt. Und selbst 
wenn nicht mehr Unterschied besteht, als die Feststellung, dass da etwas 
sich gegen nicht etwas abhebt, so habe ich in diesem Unterschied nur zwei 
Namen und ich muss mich wohl entscheiden, was ich als etwas Seiendes 
betrachten will. Wenn ich die Luft im Eimer als wesentlicher betrachte, 
als den Eimer selbst, dann ist die Luft im Eimer, die mich atmen lässt 
und der Eimer ist nichts, selbst wenn der Eimer die Begrenzung der Luft 
ist, die ich atme.  

Die Frage:
> also das Sein ist? Und das Nichts ist?
ist schon eine Folgerung, die Sein und Nichts in ihrer Existenz 
unterscheiden will. Doch wenn kein Unterschied besteht, dann ist es sich 
gleich, ob da Nichts ist oder ob da Sein ist. Das Nichts liesse sich vom 
Sein genausowenig unterscheiden, wie das Sein sich vom Nichts 
unterscheiden liesse. Es ist ja noch nichtmal jemand da, der hier eine 
Unterscheidung treffen könnte. Wenn ich aber da bin und sonst nichts 
wäre, so wäre ich immer noch ich und das Sein bin dann ich und der Rest 
der Welt wäre das Nichts. Das Nichts bin dann Nicht-Ich und das Ich steht 
auf dem Unterschied zu dem Nicht-Ich. Ist aber zwischen mir und der Welt 
kein Unterschied, was sollte ich dann sein?

Mit freundlichen Grüßen
Arnold Schiller



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